Femdomclips und Socialmedia Jugendschutz

Die Stimmen werden lauter, härtere Maßnahmen gegen sexuelle bzw. öffentlich zugängliche Inhalte auf Social Media Plattformen zu treffen.

So dürfen auf Twitter, Facebook und Co. keine Femdom Webseiten oder Clipstores verlinkt werden, die nicht zu 100 % jugendfrei sind.

Diese Regeln gelten zwar nicht erst seit gestern, jedoch reagiert insbesondere Twitter mittlerweile verstärkt mit Account Sperrungen.

Dies betrifft also nicht nur explizit pornographische Bild- und Videoinhalte.
Auch bedenkliche Textformulierungen, die bereits erwähnte Verlinkung auf die eigene Webseite, und Retweets können zur Sperre führen.

Anforderungen an Inhalte im Bereich Sexwork

Wie soll man also Femdomclips oder eine dominante Dienstleistung bewerben, wenn man annehmen muss, dass jedes passende Wort verboten ist?
Auf der Webseite vom Berufsverband für Sexarbeit findet man zu diesem Thema einen ausführlichen Artikel.

Als Hilfestellung dient auch die Liste “Empfohlene/nicht empfohlene Begriffe” von Rechtsanwalt Marco Dörre.

Eine weitere Lösung:

Viele Femdoms reagieren derzeit mit der Umstellung auf geschlossene Fanclubs, wie OnlyFans und AVN.

(Gerne dürfen Ladies ihre Fanclubs in den Kommentaren posten!)

Findoms und alle anderen Sexworker gehören gesperrt!

Gehirn ausgeschaltet und Mund aufgemacht, so kennen wir sie, die kleine aber mittlerweile größer werdende Gruppe “besorgter Hater” in den sozialen Medien. 
EIGENTLICH haben sie ja nichts gegen dieses BDSM oder Dominas, Findoms und Fetischisten, aber auf Twitter sollen die schließlich auch nicht agieren. 

Nachher peitschen die noch die Chronik oder zelebrieren ihre sexuellen Genüsse in Form von wedelnden Geldscheinen, die einen fragilen User früher oder später in die Klapse befördern wird.

Mobbing, Diskriminierung…  ist es tatsächlich nur die Sorge um angeblich psychisch labile Menschen, die ihre Neigungen ausleben möchten? Oder ist es die Nichtakzeptanz des Unbekannten?

Halbwahrheiten, die gerne beim gemeinsamen Online Stammtisch gestreut und als minimal geistigen Gehirnauswurf bei Twitter gepostet werden. 
Muss ja was Wahres dran sein, wenn es im Internet steht.

Femdom

Diffamieren, was nicht ins eigene Weltbild passt…

Es ist eine Frechheit Twitter als Promo für Sexwork zu benutzen, “sollen die doch ihre kranken Praktiken hinter geschlossenen Türen ausleben.”

Und weil sie ständig von diesen Betteldirnen und ihren dominanten Anweisungen belästigt werden, müsse man nun entschieden dagegen vorgehen!
Betteldirnen? Ja, die gehen nicht arbeiten und zocken nur Geld ab. Achso…

Man wolle lieber unter seinesgleichen bleiben und ist widerstrebt, easy peasy das X am oberen Bildschirmrand zu klicken.
Warum auch? Ist doch knorke mit den ehrenwerten Mitbürgern in einer beschaulichen Blase zu leben. Man kennt und unterstützt sich hier.

Mit Hass schürenden Vorurteilen und dem gemeinsamen Einstehen, kommt der maximal besorgte Hater aber erst so richtig in Fahrt.  
Er posiert mit Screenshots auf dem Klarnamen/Privatadressen von Femdoms bekannt gegeben werden und allen Sexworkern deutlich machen soll, dass er sie gerne mal hart rannehmen möchte. 

Sexwork wird diskriminiert

Pauschalisieren ist einfacher…

Wir würden lügen, wenn wir sagen, dass wir alles gut heißen, was talkshowgeprägte Hobbydominas oder junge Damen aus ihren unaufgeräumten Wohnzimmern in ihre Social Media Chronik schleudern.
Ein Latexanzug oder weil jemand die Worte “Halts Maul und zahl…” beherrscht, machen eine Frau nicht automatisch zu einer (guten) Herrin. ABER und jetzt kommts:

Findoms/Femdoms sind nicht pauschal männerhassende Existenzzerstörerinnen, deren finanzielle Bezugsquellen das Arbeitsamt oder Bankkonto eines psychisch kranken Mannes sind.

BDSM gehört nicht verboten, weil es Männer gibt, die sich freiwillig in die Hände einer dominanten Frau begeben möchten und/oder bereit sind dafür Geld zu bezahlen.
Einer Findom werden nicht 10 000 € monatlich in den Rachen geworfen, ohne dass sie selbst etwas dafür tun muss.

In diesem Kontext erwähnen wir außerdem: Nicht
alle Sexworker, Erotik- oder BDSM Portale verstoßen gegen den Jugendschutz, wie es derzeit einige Medien suggerieren.

Nun könnte man also das Szenario weiterspinnen und darüber diskutieren, aus welchen Gründen beispielsweise Paypal Sexarbeiter sperrt – bzw. gar nicht erst zulässt- und deren Gelder einbehält.
Selbst wenn ordnungsgemäß ein Gewerbe angemeldet ist und Steuern abgeführt werden.

Hate und Diskriminierung beginnen im Kopf…

Wir möchten nun am Ende dieses Beitrages einfach mal das Wort Scham in dem Zusammenhang wirken lassen. Warum? 

Weil Hate, Diskriminierung und Nichtakzeptanz im Kopf beginnen und man offensichtlich ein Feindbild braucht, um sich daran auszuleben.  

Auch eine Krankheit im Internet: Es muss alles kommentiert werden, am besten in Superlativen, egal in welche Richtung.
Da wird Menschen mit Mord gedroht, weil man seinen Burger ohne Zwiebeln bestellt.
Letzteres liegt dem Kern des Faschismus zugrunde: “Es existieren keine Ausnahmen, jede Person muss den Regeln folgen, die von der Obrigkeit, oder Gesellschaft vorgegeben wird.”
Sie wollen keine Nischen, keine Minderheiten, keine Skurrilitäten. Alle sollen soweit ähnlich aussehen und sich in einem bestimmten Rahmen bewegen.

Es ist also viel einfacher selbsternannten Jägern hinterher zu eifern, die Menschen mit den Worten “Betteldirnen“, „Dreckspack“ und „Schlampen“ herabwürdigt, als Neues zu entdecken, Neues kennen zulernen, etwas Neues zu lernen… oder eben weiterzuklicken, wenn etwas nicht den eigenen Geschmack trifft.

Uns stimmt es froh zu sehen, dass doch immer mehr Menschen Sexwork als das anerkennen, was es ist und natürlich sollte man positiv in die Zukunft schauen. Dennoch: 
Am Ende des Tages sind diese ganzen „EIGENTLICH habe ich ja nichts gegen…“ nur ein kleiner Teil von einem latent sexworkerfeindlichem Ganzen und der Grund dafür, dass auch im Jahre 2020 Hetze gegen diese Berufe bzw. deren Nutzer betrieben wird.

Don`t feed the troll? Come on… Wenn mittlerweile mit Klarnamen in den Socials hantiert und über Sperrungen von Sexworkern gefachsimpelt wird, dann werden wir ja wohl noch unsere Meinung sagen dürfen…

Welche Erfahrungen hast du bisher als Lady/Fetischist gemacht?
Stößt du als Sexworker/Nutzer, der seine Neigungen ausleben möchte, auch des Öfteren auf Ablehnung oder sind alle in deinem Umfeld cool damit?